3 Monate Australien

Dienstag, 06.11.2018

Am 10.08. kam ich am Flughafen in Sydney an, seitdem sind 88 Tage vergangen. 3 Monate wenn man so will. Das letzte Vierteljahr ging zurückblickend total schnell vorbei und es ist Wahnsinn, was ich innerhalb dieser Zeit schon erlebt habe...

Während meiner ersten zwei Monate in Australien, die ich in Sydney verbracht habe, bin ich an den Wochenenden stets viel unterwegs gewesen, habe so ziemlich alle "Touristenziele" besichtigt, die ich mir für Sydney vorgenommen habe und bin auch gerne feiern gewesen :-)

Ich habe so viel erlebt. Vom Opera House über die Harbour Bridge. Ich habe unzählige Märkte und Strände gesehen, habe Coastal Walks gemacht, bin im Bondi Icebergs Pool geschwommen und durch die Blue Mountains gewandert. Ich habe die Drehorte der Serie "Dance Academy" gefunden und war beim "Whale watching". Es war eine unglaubliche Zeit, aber auch die hat ihre Schattenseiten, die in keinem Instagram Profil auftauchen oder die verdrängt werden, wenn man seinen Freunden zusammenfasst, was man in den letzten Wochen so erlebt hat.

Meine Au Pair Familie in Sydney war nicht so, wie sie sich mir bei den Skype Gesprächen vorgestellt hat, bzw sie war insgesamt anders, als ich sie mir vorgestellt habe... Ich war kein Teil der Familie, wie es die Idee des Au Pair Seins ist. Müsste man die Rollen innerhalb der Familie zuordnen, wäre ich die klassische Angestellte gewesen, die ein kleines Zimmer am anderen Ende des Hauses hat. Ich hatte teilweise nichts zum Essen im Haus, da meine Familie sich nicht besonders für mich interessiert hat. Wenn sie also mal mit den Kindern weggegangen sind, wurde ich weder gefragt ob ich mit möchte, noch wurde geschaut, dass ich in dieser Zeit etwas im Haus hatte. Die Kinder waren nicht gut erzogen und Respekt hatten sie auch keineswegs. Ich war ihr persönlicher Fußabtreter, doch das habe ich alles in Kauf genommen, teilweise bis zu 20 Überstunden die Woche, weil ich ein Dach über dem Kopf hatte und nur 10 Minuten von der Innenstadt Sydneys entfernt gewohnt habe... Ich habe zwei Mal das Gespräch mit der Familie gesucht und hatte gehofft, dass sich dadurch etwas ändert, doch das war nicht der Fall. Insgesamt waren sie mit meiner Arbeit zufrieden. Ende September hattte mir die Mutter dann verkündet, dass ich doch bitte ausziehen solle, weil sie einen Childcare-Platz bekommen hätten und ich deshalb von nun an nicht mehr gebraucht werde. Ob das der Grund war, weiß ich bis heute nicht und werde es auch sicherlich niemals erfahren. Vielleicht waren sie auch einfach nicht zufrieden mit mir. Jedenfalls hatten sie mir eine supergute Empfehlung geschrieben, welche mir geholfen hat, meinen Job hier in Mount Martha zu bekommen.

Der Umzug war ein erneuter Start in Australien, denn alles Vertraute musste ich hinter mir lassen. Mein zu Hause, meine Arbeit, meine Freunde, die Stadt. Ich habe mich zwar freiwillig dafür entschieden, Sydney für Melbourne zu verlassen, da ich eine neue Stadt sehen wollte, doch am Tag der Abreise fiel mir auf, wie schwer es mir gefallen ist, all dem Lebewohl zu sagen. Da ich für Neujahr allerdings ein Hostel gebucht hatte, wusste ich wengstens, dass wir alle gemeinsam ins neue Jahr starten würden. Angekommen in Mount Martha wurde mir erst wirklich bewusst, was es hier in Australien heißt, "ein bisschen außerhalb" zu leben. Es gibt kaum Möglichkeiten für Jugendliche, etwas zu unternehmen, Backpacker und Au pairs gibt es so gut wie gar nicht und diese Umstände haben dafür gesorgt, dass es mir schwer fiel mich komplett wohlzufühlen... auch wenn die Eltern mich wirklich toll in die Familie integriert haben.

Ich denke, dass man sich den Job als Au pair viel zu einfach vorstellt, und mein Respekt gegenüber Erziehern, ist, seit ich hier bin, enorm gestiegen. Kinder können es einem verdammt schwer machen. Auch das vierjährige Mädchen hier hat mich am Anfang gehasst, weil ich die Aufgaben übernommen habe, die sonst ihre Mutter gemacht hat. Tagelang hat sie mich beschimpft, geschlagen, angeschrien und den Rest der Zeit geweint. Sie gab mir einfach nicht das Gefühl, erwünscht zu sein... und das 7 Tage die Woche,also jeden einzelnen Tag. Es hat sich gebessert, bedarf aber ständige Ermahnungen der Eltern...

Nicht jedes Kind ist so, ihr Bruder und ich komen gut miteinander aus, und es gibt bestimmt auch Familien, wo es mit den Kindern einfacher ist, doch ich bin sonst eigentlich relativ glücklich mit meiner Familie hier.

Wir wohnen nur eben verdammt weit weg von der Stadt. Es kostet mich 2,5h mit der Bahn, um wirklich nach Melbourne zu kommen. Das ist schon nicht so toll, weshalb ich mich wieder nach Familien in Sydney umgeschaut habe. Ich vermisse die weißen Strände, das gute Wetter und mehr als alles andere vermisse ich meine Mädels in Sydney. Genauso wie unsere Wochenenden, Ausflüge und Mädelsabende.

Trotz allem bereue ich keine Entscheidung bisher, den irgendwie fügt sich letztendlich doch noch alles. Alles in allem muss man hier spontan sein, und seine Pläne flexibel gestalten. Ich kenne so gut wie niemanden hier, der Monate voraus schon weiß, in welchem Hostel er schläft, an welchem Datum man mit wem wo entlang reist, denn so gut man auch etwas plant, eine Sache habe ich hier gelernt: Die Pläne können meistens sowieso nicht eingehalten werden, weil man dann doch noch ein, zwei Tage länger oder kürzer irgendwo bleiben möchte, als geplant. Wohin man geht hängt von so vielen Faktoren ab. Geld, Job, Reisepartner. Wer hier nicht nur für einen Urlaub ist, muss flexibel sein und offen für alles... Einzelzimmer im Hostel und ein Job der richtig Spaß macht, sind hier eher selten...

Doch jeder Tag den ich hier bin, ist es wert! Ich bin schon nach drei Monaten viel selbstständiger geworden und kümmere mich um eigentlich alles in meinem Leben selbst, auch wenn das selbstverständlich klingt. Steuernummer beantragen, Flüge oder Langstreckenbusse buchen und finanziell komplett unabhängig sein, das habe ich in Deutschland nie gemusst, warum auch, man wohnt ja daheim. Als Au Pair sind es vor allem viele Haushaltstätigkeiten, die man auf einmal von Tag zu Tag macht. Aber ich bin froh darüber, denn ich habe hier wirklich das Gefühl, dass mich das ein bisschen auf das Leben vorbereitet. *kitsch*

Ich habe jetzut schon zwei Mal nach einem Job gesucht und ich habe es zwei Mal mit Erfolg geschafft, etwas zu finden. Es kostet Geduld, wenn man auch auf die 70. Bewerbung keine Antwort bekommt und dir auch der 50. Arbeitgeber am Telefon sagt, dass er niemanden mehr braucht. Doch wenn man hier nicht dranbleibt, bringt man es zu nichts und muss nach Hause, also beißt man sich durch.

Offen gestanden, gab es hier schon Momente, in denen ich einfach nach Hause wollte. Ich habe vor Angst, rechtzeitig keinen Job zu finden, damals in Sydney schon abends weinend im Bett gelegen, weil ich drei Tage vor Auszug nicht wusste, wohin mit mir. Doch ich habe es geschafft, doch noch etwas zu finden :-)

Das Problem ist nicht, dass es keine Jobs gibt, doch die Arbeitgeber melden sich meist erst nach ca 2 Wochen, ein Albtraum hier, wenn man wie ich nicht unbegrenzt Geld zur Verfügung hat. Außerdem habe ich noch keine Ausbildung hinter mir, weshalb der Lohn pro Stunde geringer ausfällt. Eine Kündigungsfrist wie in Deutschland, darüber kann man hier nur lachen.

Bei mir ist bisher nichts wirklich so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe, aber das heißt nicht, dass ich meine Zeit deshalb weniger genossen habe. Ich liebe Australien und ich bin jeden Tag froh, hier, am anderen Ende der Welt, aufzuwachen! Dennoch kann ich es kaum erwarten, Ende Januar endlich die Ostküste entlang zu reisen und mehr von Australien zu sehen.. dieses Wochenende plane ich, die Great Ocean Road zu machen. Ich hoffe, das klappt alles :-)

Alsoooo, auf die nächsten 6/7 Monate hier!!!

Ein fettes Dankeschön geht an alle, die mich so lieb die ganze Zeit unterstützen, Freunde, Familie, ohne eure Unterstützung, vor allem mental, würde ich diese "Reise" hier nicht so gut schaffen :-)

IHR SEID DIE BESTEN!!!